Unfrisiertes

Unfrisiertes, Unreifes, Unüberlegtes

Archiv für November 2009

Erfahrungen mit Windows 7

Verfasst von unfrisiertes am November 21, 2009

Da das Ende von XP jetzt absehbar und Vista Mist ist, habe ich mir ein paar „Windows 7″-Lizenzen besorgt. Damit aktualisiere ich jetzt nach und nach meine virtuellen Maschinen auf dem heimischen Desktop-Rechner. Außerdem bestückste ich damit meine neueste Errungenschaft, einen Lenovo Thinkpad R500. Das ist ein echtes Arbeitspferd, wie ich es brauche, und W7 scheint mir – die Welt ist kein Ponyhof – das beste Betriebssystem dafür zu sein. Obwohl der R500 einen guten Ruf in Sachen Linux-Kompatibilität hat, aber ich brauche das Teil eben zum Arbeiten, und das heißt in meinem beruflichen Umfeld nun einmal Excel, Word, Powerpoint und Access. Klar ginge das alles irgendwie auch unter Linux, aber ich werde wegen einer Sympathie für ein Betriebssystem sicher keine in langen Berufsjahren erworbenen Wettbewerbsvorteile aufs Spiel setzen, indem ich entweder meine Kunden mit Kompatibilitätsproblemen behellige oder mit viel Aufwand versuche, diese selbst abzufangen. Klar, es geht alles, nur eben auf Kosten von Zeit und damit auch Geld.

Die Installation von W7 läuft meinen Erfahrungen nach reibungslos. Das R500 war danach bereits mit den wichtigsten Treibern versehen, z.B. funktionierte das WLAN sofort, nur die Treiber für Dinge wie Fingerabdrucksensor, integrierte Kamera und Touchpad-Sonderfunktionen musste ich noch nachinstallieren. Subjektiv betrachtet arbeitet W7 schnell und flüssig. Die meisten Arbeitsabläufe können intuitiv erfolgen, und man hat den Eindruck, als ob selbst Schnickschnack wie die Aero-Funktionen hier einem durchdachten Zweck folgen. Die Oberfläche ist optisch attraktiv, und neue Funktionen wie die neuen Leistungen der Taskleiste erweisen sich als sehr sinnvoll. Dass die nervigen Sicherheitsabfragen von Vista deutlich weniger geworden seien, kann ich auf den ersten Blick aber nicht bestätigen.

Doch, das ist ein nettes Stück Software, das uns Microsoft da verkauft. Es ist keine Liebe, aber Respekt, und mehr braucht es für den Job nun wirklich nicht.

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Geimpft

Verfasst von unfrisiertes am November 20, 2009

Ich habe mich gegen die „Neue Grippe“ impfen lassen. „Neue Grippe“ sagt man, wenn man nicht „Schweinegrippe“ sagen will, was jenseits des Pejorativen zumindest hierzulande auch keine besondere Berechtigung hätte, denn von erkrankten Schweinen wurde in Deutschland noch nichts bekannt. Vor allem zwei Gründe haben mich dazu bewogen: Die „Neue Grippe“ scheint erheblich ansteckender zu sein als die übliche saisonale, und meine Liebste, die sich als Lehrerin unvermeidlich dem einen oder anderen Virenträger gegenübersieht, verschmäht die Impfung und vertraut stattdessen einer von ihrem Arzt empfohlenen alternativen „Immunisierung“. Nicht, dass ich besondere Angst vor einem schweren Verlauf hätte, aber schon eine stinknormale echte Grippe (im Gegensatz zum „grippalen Infekt“) gehört zu den Dingen, die ich gerne vermeiden würde. Sowas befiel mich mal vor ca. 10 Jahren, und ich verbinde damit keine besonders netten Erinnerungen…

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Meine Erfahrungen mit dem Kindle

Verfasst von unfrisiertes am November 8, 2009

Warum überhaupt ein eBook-Reader? Warum der Kindle?

Das „überhaupt“ ist bestimmt eine Geschmacksfrage. Meinereiner ist jemand, der zu Hause die Schränke voller Bücher hat, und der gerne mehrere Bücher parallel liest mit der Folge, dass selbige in der Wohnung verstreut herumliegen. In einen eBook-Reader setze ich die Hoffnung, dass dieses Chaos auf den Reader beschränkt bleiben möge, und dass meine Neugier nicht zu weiteren Platzproblemen in der Wohnung führt. Bücher am PC zu lesen, empfinde ich als unangenehm: Da strahlt der Monitor zu hell, da ist die Sitzhaltung zu unflexibel und vor allem der Standort zu fixiert. Der, wie man heute so schön sagt, „ultimative Test“ sieht bei mir so aus: Was ich lesen soll, muss auch auf dem Ort gelesen werden können, der für menschliche Verrichtungen zwar bekannt ist, dafür aber nur wenig gerühmt wird.

Und die Haptik. die Optik, nun ja: Ich gebe zu, dass ich kein Bibliophiler bin. Ich interessiere mich nicht für das Medium, sondern ausschließlich für die Botschaft und die mir genehmste Art, sie zur Kenntnis zu nehmen.

Aber ausgerechnet der „Kindle“? Gegenargumente gibt es genug:

  1. er beherrscht nicht das EPUB-Format, in dem in Deutschland kopiergeschützte Werke verbreitet werden
  2. er kann „von Geburt aus“ kein PDF
  3. Amazon löscht

Widerrede:

ad 1.: Ich will gar keine in Deutschland kopiergeschützte Bücher auf mein eBook. Im Lauf der letzten Jahre hat sich herausgestellt, dass ich mich vor allem für Sachbücher interessiere, die von englischsprachigen Autoren verfasst wurden. Die kann ich mit dem Kindle im Original lesen, und das auch noch billiger. Und sollte es mal ein deutsches Verlagserzeugnis sein, kann ich mir auch direkt das Buch kaufen. Das trägt zwar nichts zur Lösung des Platzproblems bei, ist aber wenigstens auch nicht teurer, denn im Gegensatz zu den USA werde ich wegen der Buchpreisbindung in Deutschland nicht dafür belohnt, dass ich mit der elektronischen Lektüre weniger Ressourcen beanspruche.
ad 2.: PDF ist für eBooks nicht das Wahre. Dort brauche ich die Fähigkeit zur Anpassung an verschiedene Schriftgrößen oder Screens, die PDF als simulierter Druck eben nicht bietet. Und zur Not gibt es noch Konvertierungsmöglichkeiten (s.u.)
ad 3.: Haben sie einmal und wollen sie nach eigenem Bekunden nie wieder. Und wenn ich doch Angst davor habe, schalte ich eben den Funk ab und archiviere kräftig auf meinem PC.

Jetzt also zu den konkreten Erfahrungen und Erkenntnissen:<!–more–>

Am Samstag vor zwei Wochen bestellte ich meinen Kindle auf der entsprechenden Seite bei Amazon. Dass das alles in Englisch vor sich ging, sollte keinen schrecken, der sich anschickt, seinen Erwerb zum Lesen von vor allem englischsprachiger Texte zu verwenden. Der Spaß kostete mich 279$ (für das Gerät) + 20,98$ (für den Versand) + 57$ (für die Einfuhrabgaben) = 356,98$, was zum aktuellen Devisenkurs ca. 236 Euro entspricht und damit im Preisvergleich zu anderen eBook-Readern relativ günstig erscheint. Als Schmankerl kam dann fairerweise ein paar Tage später eine Erstattung von 20$, weil Amazon inzwischen die Preise gesenkt hatte. Somit kostet der Kindle einen deutschen Nutzer momentan ca. 222 Euro. Für die Zollabgaben inkl. Einfuhrumsatzsteuer bekommt man übrigens später von UPS eine Quittung zugestellt.

Am Mittwoch wurde das Gerät geliefert. Aus den USA – alle Achtung, da kann sich der alte Gilb manchmal noch eine Scheibe von abschneiden. Im Lieferumfang waren: eine rudimentäre Gebrauchsanweisung („Getting started“), deren wichtigster Inhalt die Aufforderung ist, das Gerät zu laden, sowie ein USB-Kabel mit einem zusteckbaren US-Stecker. Man sollte die wohlmeinenden Hinweise, sich einen Steckeradapter US-Deutschland zu besorgen, aber ignorieren und sich gleich einen Adapter USB-Stromnetz besorgen, den man dann auch zum Aufladen von zig anderen Geräten im PC-Umfeld verwenden kann.

Nach dem Aufladen wird man mit einer ausführlichen Bedienungsanleitung auf dem Gerät selbst begrüßt. Ich kann die Kritik an der Bedienung des Kindle nicht recht nachvollziehen. Das eine oder andere Kommando mag nicht gerade intuitiv daherkommen, aber schwer zu merken ist das alles auch nicht, so dass sich in kurzer Zeit bei der Bedienung der Tasten und des „Trackquadrats“ eine gewisse Routine einstellt. Die Darstellung hält, was diverse Besprechungen von eInk versprochen hatten. Im Prinzip entspricht die Lesbarkeit der auf Umweltpapier Gedrucktem. Man kann die Schriftgröße beeinflussen und ob man mehr oder weniger Wörter pro Zeile lesen will. Aber ein Fan von „Times New Roman“ muss man definitiv sein, denn die Schriftart ist unveränderbar.

Das Angebot im Kindle-Store, der „out-of-the-box“ erreichbar ist und keine Zusatzkosten auslöst, entspricht ungefähr den Erwartungen, aber man muss als deutscher Leser damit rechnen, dass Bücher, deren deutsche Urheberrechte nicht geklärt sind, einem auch in der US-Ausgabe nicht zugänglich sein werden. So konnte ich z.B. bisher das Buch „Superfreakonomics“ dort nicht finden, obwohl es im Angebot von Amazon ist. Aber ansonsten funktioniert der Kauf eines Buches reibungslos. In den meisten Fällen kann man sich auch probeweise ohne Kosten das erste Kapitel herunterladen. Im Gegensatz zur US-Version verfügt der nach Deutschland gelieferte Kindle nicht über die Webbrowserfunktion. Aber über http://www.amazon.com/manageyourkindle ist der eigene Kindle mit dem eigenen PC konfigurierbar, und man kann so auch direkt über das Web Bücher kaufen, die dann bei Gelegenheit auf den Kindle übertragen werden. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist im übrigen reichlich fix – das Amazon-Versprechen von max. 1 Minute Downloadzeit scheint mir nicht unrealistisch zu sein.

Amerikaner können den Kindle auch als Browser nutzen – Deutsche aber nicht, bis auf das englischsprachige Wikipediaangebot. Der Grund dürfte in der Art des Netzzugangs liegen: Nachdem Amazon sich nicht mit deutschen Mobilfunkprovidern einigen konnte, nutzt es für den Kindle ein Roaming über AT&T, und das würde wohl reichlich teuer, ließe man diese Konstellation auf das komplette Web los, wo eben nicht nur Texte übertragen werden.

Nett finde ich das mitgelieferte New Oxford American Dictionary, das sich auch einfach zum Nachschlagen von Begriffen verwenden lässt, die in anderen Texten auftauchen.

Und, gaaanz wichtig: Es gibt viele Texte, die ohne Urheberrechtsbeschränkungen verteilt werden können. Einige davon sind auch in deutscher Sprache im Kindle-Format z.B. unter http://manybooks.net/language.php?code=de erreichbar.

Der Kindle versteht von Haus aus im Grunde nur das eigene .azw-Format sowie urheberrechtsfreies Mobipocket. Man kann aber z.B. HTML- und PDF-Texte per E-Mail an Amazon schicken, um sie ins .azw-Format umgewandelt entweder auf dem PC (kostenlos) oder dem Kindle direkt (gegen „geringes“ Entgelt) wieder zur Verfügung gestellt zu bekommen. Vom PC lässt sich über den beigelegten USB-Anschluss alles an den Kindle übertragen.

Über den Kindle kann man zwei deutsche Tageszeitungen abonnieren: die FAZ und das Handelsblatt. Da ich langjähriger FAZ-Abonnent war, nahm ich das Kindle-typische Angebot wahr, die Zeitung 14 Tage lang zu beziehen. Obwohl für die internationale Version des Kindle beim FAZ-Abo wohl 10 USD mehr fällig werden, ist das zum aktuellen Dollarpreis noch ein Schnäppchen. Bei den Artikeln fehlen Schaubilder, Tabellen und Autorennamen, ansonsten ist das Angebot komplett. Und ich muss kein Papier durch die Gegend schleppen. Mal sehen.

Fazit: Wer auf aktuelle englischsprachige Werke und auf deutsche Klassiker steht, für den ist der Kindle einen Blick wert. Wer deutsche Bestseller will, sollte sich um ein Gerät bemühen, welches das Format .epub lesen kann.

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