Über Altkatholiken
Verfasst von unfrisiertes am Oktober 17, 2007
Meine Kumpels drüben bei B.L.O.G. haben mir in ihrem eigenartigen Humor nahe gelegt, mehr über die Konfession zu erzählen, der ich angehöre.
Nun, ich könnte es mir einfach machen. Und ja, diese Chance lasse ich an mir nicht ungenutzt vorübergehen
Der Wikipedia-Artikel über die Altkatholiken ist schon sehr informativ, und wer es noch im Detail wissen will, ist im Forum unseres Bistums gut aufgehoben.
Der Wikipedia-Artikel behandelt das Phänomen Zehdenicker Franziskus-Hof allerdings etwas stiefmütterlich. Ich will mir als Altkatholik da nichts zuschreiben, was in Wirklichkeit auf dem Mist einer bestimmten, wohl besonders charismatischen Person, gewachsen ist. Aber wir können uns immerhin zu Gute halten, diesem Menschen den geistigen Raum gegeben zu haben, den er für seine Mission brauchte. Auch so wirkt Gott.
Für alle, denen das zu viel Text ist: Die Altkatholiken sind die römischen Katholiken ohne das, was den vernunftbegabten Menschen an diesen stört. Ja, das ist leider eine Negativ-Definition, aber wir hatten historisch auch keine andere Chance. Was die “Kirche von unten” will, gibt es bei uns. Außer vielleicht der Beliebigkeit, die dieser Organisation eigen ist. Denn dass es uns überhaupt gibt, liegt daran, dass uns unser ursprünglicher Glaube wichtig ist.
Im Dritten Reich hat unsere Kirche leider keine besonders rühmliche Rolle gespielt. Das hat sie mit ihren Glaubensbrüdern gemein, aber hoffen wir, dass der Umstand, keinen Bonhoeffer hervorgebracht zu haben, nur an der vergleichsweise geringen Zahl der Gläubigen gelegen hat. Dennoch: Es hätte dieser Kirche, wenn sie denn mehr sein wollte als ein Sammelbecken unzufriedener Theologen, gut angestanden, wenn einer der ihren wahrnehmbarer Widerstand geleistet hätte. Zumal der Altkatholizismus zu großen Teilen ein deutsches bzw. deutschsprachiges Phänomen bliebt, so wie auch heute die deutschen Katholiken in vielem anders ticken als der Rest ihrer Welt. Das Einfallstor für die Nazis war also da, und es gab Kräfte, die es nutzen wollten.
Um so wichtiger ist die Betonung des Gedankens der Ökumene, der uns Altkatholiken besonders am Herzen liegt. Statt sich wie der Papst in immer neuen Dokumenten Gedanken zu machen, wie man denn Christen möglichst trenngenau in Gruppen einteilen kann, halten wir unsere Abendmahlseinladung für alle Christen aufrecht. Mit den Anglikanern verbindet uns eine “full communion”, was soviel heißt, dass sich ein Anglikaner bei uns und wir uns bei ihm ganz und gar zu Hause fühlen kann bzw. können. Mein erster altkatholischer Pfarrer war ein schwuler Anglikaner mit US-Pass, und er war (und ist hoffentlich noch) ein großartiger Mensch. Muss ich dann noch erwähnen, dass bei uns auch Frauen Priester werden können?
Die “Römer” verdächtigen uns gerne als Protestanten. Aber ich lade jeden ein, sich davon ein Bild zu machen. Protestant könnte ich nie sein, aber “Römer” auch nie mehr. Schaut einfach mal bei der Gemeinde in eurer Nähe (wenn es denn eine gibt) vorbei. Mehr Links gibt es hier: http://www.alt-katholisch.de/
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