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Henkel: Kaufen oder verkaufen?

Verfasst von unfrisiertes am Dezember 18, 2006

Der mittlerweile reine Markenartikler Henkel hat sich entschlossen, den in zwei Jahren wegen Erreichens der Altersgrenze ausscheidenden Konzernchef Lehner durch einen Outsider par excellence zu ersetzen, und zwar den Dänen Kasper Rorsted, der seine Berufserfahrung bislang vor allem in der IT-Branche sammelte und erst vor einem Jahr zum Düsseldorfer Unternehmen stieß.

Für die FTD ist das ein “doppelter Tabubruch“: Der “Neue” stammt weder aus dem deutschen Sprachraum, noch fand seine Karriere bei Henkel selbst statt. Dementsprechend sind auch die Hoffnungen, die sich mit ihm verbinden. Er soll den Konzern internationaler machen und “frischen Wind” ins Unternehmen bringen.

Nun sind das keine Werte an sich. Henkel ist, wenn man sich an die nüchternen Fakten hält, die in Jahresabschlüssen präsentiert werden, ein bislang sehr erfolgreiches Unternehmen, einer der wenigen überlebenden deutschen Markenartikler. Aber das ist keine Story für Kapitalmärkte. Die setzen auf Wachstum, das sich in einem höheren Ergebnis niederschlägt.

Die größten Schwierigkeiten sehen die Analysten darin, die Profitabilität weiter zu steigern. Lehner hat das Ziel herausgegeben, bis 2008 die Ebit-Marge von zwölf Prozent zu erreichen. Sven Dopke, Analyst bei M.M. Warburg, hält eher zehn oder elf Prozent für realistisch.

Rorsted wurde offensichtlich insbesondere mit Blick auf die Kapitalmärkte ausgewählt.

Ein einziger Auftritt des 44-jährigen Dänen bei einer Roadshow im März in Stockholm reichte aus, um zumindest die Investoren von seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Der derzeitige Personal-, Einkaufs- und IT-Leiter bei Henkel habe nicht nur alle Fragen eingehend beantwortet, sondern zuvor offensichtlich alle wichtigen Fragen sich selbst schon längst gestellt und für sich analysiert”, heißt es.

Das lässt einige Rückschlüsse auf die Vorhaben des noch überwiegend in Familienbesitz befindlichen Unternehmens (in der ziemlich exotischen Form einer KGaA) zu. Der Expansionskurs soll wohl fortgesetzt werden, und die Familien bereiten vielleicht sogar ihren Ausstieg vor.

Warum ich da schwarz sehe? Nun, zum einen halte ich mehr von Chefs, die ihren Kunden nahe sind, als von solchen, die ihren Finanziers gefallen. Zum anderen gefällt mir so manches nicht, was ich als vermeintliche Lobpreisung lesen muss:

Den Willen zur Veränderung hat Rorsted beim Dax-Konzern Henkel bereits unter Beweis gestellt. Nach seinem Amtsantritt 2005 habe er mit Hilfe von externen Beratern Organisationsstrukturen gestrafft und dabei “hohe Zielvorgaben” gesetzt. Rorsted sei dabei “extrem hart im Durchgreifen”, heißt es im Unternehmen. Anders als der diplomatische Lehner sei er zudem impulsiv, unheimlich direkt, manchmal zu direkt”, sagen ehemalige Mitarbeiter.

“Mit Hilfe von externen Beratern” geschaffene Organisationsstrukturen – das ist das kleine Management-1×1, das Manager schlicht dafür auszeichnet, dass sie für etwas, was eigentlich ihr Job gewesen wäre, viel Geld ausgegeben haben. Und “hohe Zielvorgaben” setzen, nun, das kann jeder – fragen Sie mal die Fans eines x-beliebigen Bundesligavereins. Aber der Versuch, Kommunikationsmängel als positive Eigenschaft auszugeben, der befremdet dann doch. Sicher, man kann bei Henkel viel verändern. Vieles auch zum Positiven. Aber Veränderung wirkt in alle Richtungen, und wer nur um des Veränderns willen agiert, könnte sich den Teil einhandeln, den man lieber so gelassen hätte, wie er ist.

Also – hier ist Skepsis angesagt. Mit heutigem Wissensstand würde ich in zwei Jahren ein paar Put-Optionen auf Henkel erwerben.

2 Antworten zu “Henkel: Kaufen oder verkaufen?”

  1. [...] Mehr dazu bei “Unfrisiertes“. [...]

  2. internettes sagte

    vor allem kann das mit unheimlicher Geschwindigkeit in die falsche Richtung losgehen – also nicht nur ein paar

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