Katastrophe Berichterstattung
Verfasst von unfrisiertes am August 28, 2006
Na gut, der Mann weist in der Liste der Zeitschriften, für die er tätig war, als fachspezifisches Blatt gerade mal “Mac Magazin” und “Online Today” aus. Meine Vermutung, er habe von Linux einfach keine Ahnung, ist wohl so unbegründet nicht. Dann hätte er aber vielleicht jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt, bevor er seinen Passus über Ubuntus jüngstes Update-Problem verfasste.
Anfang der Woche hatte die Herstellerfirma Canonical versehentlich ein fehlerhaftes Update für Ubuntu 6.06 LTS online gestellt. Anwender, die diesen Patch auf ihr System losließen, konnten die grafische Benutzeroberfläche nicht mehr starten. Stattdessen mussten sie mit einer simplen Kommandozeilenoberfläche vorlieb nehmen.
So weit, so ungefähr richtig. Obwohl ich dank der Gnade des späten Systemzugangs von dem Problem nicht betroffen wurde, war es auch für mich ein kleiner Schock. Schließlich bin ich ja gerade deswegen von Debian unstable zu Kubuntu gewechselt, weil ich die Nase voll hatte von Updates, die plötzlich schwere Probleme bereiten. Definitiv ein Zacken in der Ubuntu-Krone.
Mittlerweile jedoch hat die Firma ein Update zum Update bereitgestellt, das sich auch über die Kommandozeile einspielen lässt. Wie das geht, wird auf einer eigens dafür eingerichteten Homepage erklärt (auf die man von der Kommandozeile aus mangels Browser freilich keinen Zugriff hat).
Dass man als Mäccie eine Kommandozeile für Teufelszeuch halten muss, verstehe ich ja. Aber eigentlich könnte man wissen, dass es auch Browser gibt, die ohne “grafische Benutzeroberfläche” auskommen. Am bekanntesten ist da sicher Lynx, über mehr Funktionen verfügt aber z.B. Links2. Ich habe es eben mit Links2 ausprobiert - kein Problem.
Sollte das System jedoch derart stark beschädigt worden sein, dass beim Start nur noch ein Bluescreen erscheint, hilft nur noch eine aufwendige Systemwiederherstellung.
Diese Behauptung ist der eigentliche Witz. Bei Ubuntu selbst redet man nur von einem blauen Schirm (”blue screen”). Ein “Bluescreen” ist in der denglischen Computersprache aber etwas anderes:
Blue Screen of Death (zu deutsch: Blauer Bildschirm des Todes; kurz auch BSoD) ist eine scherzhafte Beschreibung einer bestimmten Kategorie von Fehlermeldungen des Betriebssystems Microsoft Windows. Dabei wird die Bedienoberfläche des Betriebssystems vollständig durch einen blauen Bildschirm ersetzt, auf dem in weißer Schrift Fehlerinformationen erscheinen.
Der angebliche “Bluescreen” bei Ubuntu sieht so aus:

Also eben keine Ersetzung der Bedienoberfläche des Betriebssystems, sondern einfach nur ein normales Fenster auf Kommandozeilenebene. Bei Windows bedeutet ein “Bluescreen”: Nichts geht mehr, PC abschalten. Hier aber geht es weiter, und zwar wie bei Ubuntu beschrieben.
Und was stellen wir uns unter einer “aufwendigen Systemwiederherstellung” vor? Image neu einspielen? Betriebssystem neu installieren, auf Backups zurückgreifen? Im konkreten Fall handelt es sich einfach um das Einspielen der korrigierten Software. Ein Mäccie muss das Debian-Einmaleins des “apt-get update” und “apt-get install <software>” ja nicht unbedingt kennen, aber dass es sich hier nicht um eine “Systemwiederherstellung” handelt, erst recht nicht um eine “aufwendige”, sollte auch einem solchen Glückskind nach Lektüre der Schritte bewusst sein.
Also, unangenehme Sache, das, aber erst halbgebildete Journalisten machen ein Drama draus…
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