Unfrisiertes

Unfrisiertes, Unreifes, Unüberlegtes

Geimpft

Verfasst von unfrisiertes am November 20, 2009

Ich habe mich gegen die „Neue Grippe“ impfen lassen. „Neue Grippe“ sagt man, wenn man nicht „Schweinegrippe“ sagen will, was jenseits des Pejorativen zumindest hierzulande auch keine besondere Berechtigung hätte, denn von erkrankten Schweinen wurde in Deutschland noch nichts bekannt. Vor allem zwei Gründe haben mich dazu bewogen: Die „Neue Grippe“ scheint erheblich ansteckender zu sein als die übliche saisonale, und meine Liebste, die sich als Lehrerin unvermeidlich dem einen oder anderen Virenträger gegenübersieht, verschmäht die Impfung und vertraut stattdessen einer von ihrem Arzt empfohlenen alternativen „Immunisierung“. Nicht, dass ich besondere Angst vor einem schweren Verlauf hätte, aber schon eine stinknormale echte Grippe (im Gegensatz zum „grippalen Infekt“) gehört zu den Dingen, die ich gerne vermeiden würde. Sowas befiel mich mal vor ca. 10 Jahren, und ich verbinde damit keine besonders netten Erinnerungen…

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Meine Erfahrungen mit dem Kindle

Verfasst von unfrisiertes am November 8, 2009

Warum überhaupt ein eBook-Reader? Warum der Kindle?

Das „überhaupt“ ist bestimmt eine Geschmacksfrage. Meinereiner ist jemand, der zu Hause die Schränke voller Bücher hat, und der gerne mehrere Bücher parallel liest mit der Folge, dass selbige in der Wohnung verstreut herumliegen. In einen eBook-Reader setze ich die Hoffnung, dass dieses Chaos auf den Reader beschränkt bleiben möge, und dass meine Neugier nicht zu weiteren Platzproblemen in der Wohnung führt. Bücher am PC zu lesen, empfinde ich als unangenehm: Da strahlt der Monitor zu hell, da ist die Sitzhaltung zu unflexibel und vor allem der Standort zu fixiert. Der, wie man heute so schön sagt, „ultimative Test“ sieht bei mir so aus: Was ich lesen soll, muss auch auf dem Ort gelesen werden können, der für menschliche Verrichtungen zwar bekannt ist, dafür aber nur wenig gerühmt wird.

Und die Haptik. die Optik, nun ja: Ich gebe zu, dass ich kein Bibliophiler bin. Ich interessiere mich nicht für das Medium, sondern ausschließlich für die Botschaft und die mir genehmste Art, sie zur Kenntnis zu nehmen.

Aber ausgerechnet der „Kindle“? Gegenargumente gibt es genug:

  1. er beherrscht nicht das EPUB-Format, in dem in Deutschland kopiergeschützte Werke verbreitet werden
  2. er kann „von Geburt aus“ kein PDF
  3. Amazon löscht

Widerrede:

ad 1.: Ich will gar keine in Deutschland kopiergeschützte Bücher auf mein eBook. Im Lauf der letzten Jahre hat sich herausgestellt, dass ich mich vor allem für Sachbücher interessiere, die von englischsprachigen Autoren verfasst wurden. Die kann ich mit dem Kindle im Original lesen, und das auch noch billiger. Und sollte es mal ein deutsches Verlagserzeugnis sein, kann ich mir auch direkt das Buch kaufen. Das trägt zwar nichts zur Lösung des Platzproblems bei, ist aber wenigstens auch nicht teurer, denn im Gegensatz zu den USA werde ich wegen der Buchpreisbindung in Deutschland nicht dafür belohnt, dass ich mit der elektronischen Lektüre weniger Ressourcen beanspruche.
ad 2.: PDF ist für eBooks nicht das Wahre. Dort brauche ich die Fähigkeit zur Anpassung an verschiedene Schriftgrößen oder Screens, die PDF als simulierter Druck eben nicht bietet. Und zur Not gibt es noch Konvertierungsmöglichkeiten (s.u.)
ad 3.: Haben sie einmal und wollen sie nach eigenem Bekunden nie wieder. Und wenn ich doch Angst davor habe, schalte ich eben den Funk ab und archiviere kräftig auf meinem PC.

Jetzt also zu den konkreten Erfahrungen und Erkenntnissen:<!–more–>

Am Samstag vor zwei Wochen bestellte ich meinen Kindle auf der entsprechenden Seite bei Amazon. Dass das alles in Englisch vor sich ging, sollte keinen schrecken, der sich anschickt, seinen Erwerb zum Lesen von vor allem englischsprachiger Texte zu verwenden. Der Spaß kostete mich 279$ (für das Gerät) + 20,98$ (für den Versand) + 57$ (für die Einfuhrabgaben) = 356,98$, was zum aktuellen Devisenkurs ca. 236 Euro entspricht und damit im Preisvergleich zu anderen eBook-Readern relativ günstig erscheint. Als Schmankerl kam dann fairerweise ein paar Tage später eine Erstattung von 20$, weil Amazon inzwischen die Preise gesenkt hatte. Somit kostet der Kindle einen deutschen Nutzer momentan ca. 222 Euro. Für die Zollabgaben inkl. Einfuhrumsatzsteuer bekommt man übrigens später von UPS eine Quittung zugestellt.

Am Mittwoch wurde das Gerät geliefert. Aus den USA – alle Achtung, da kann sich der alte Gilb manchmal noch eine Scheibe von abschneiden. Im Lieferumfang waren: eine rudimentäre Gebrauchsanweisung („Getting started“), deren wichtigster Inhalt die Aufforderung ist, das Gerät zu laden, sowie ein USB-Kabel mit einem zusteckbaren US-Stecker. Man sollte die wohlmeinenden Hinweise, sich einen Steckeradapter US-Deutschland zu besorgen, aber ignorieren und sich gleich einen Adapter USB-Stromnetz besorgen, den man dann auch zum Aufladen von zig anderen Geräten im PC-Umfeld verwenden kann.

Nach dem Aufladen wird man mit einer ausführlichen Bedienungsanleitung auf dem Gerät selbst begrüßt. Ich kann die Kritik an der Bedienung des Kindle nicht recht nachvollziehen. Das eine oder andere Kommando mag nicht gerade intuitiv daherkommen, aber schwer zu merken ist das alles auch nicht, so dass sich in kurzer Zeit bei der Bedienung der Tasten und des „Trackquadrats“ eine gewisse Routine einstellt. Die Darstellung hält, was diverse Besprechungen von eInk versprochen hatten. Im Prinzip entspricht die Lesbarkeit der auf Umweltpapier Gedrucktem. Man kann die Schriftgröße beeinflussen und ob man mehr oder weniger Wörter pro Zeile lesen will. Aber ein Fan von „Times New Roman“ muss man definitiv sein, denn die Schriftart ist unveränderbar.

Das Angebot im Kindle-Store, der „out-of-the-box“ erreichbar ist und keine Zusatzkosten auslöst, entspricht ungefähr den Erwartungen, aber man muss als deutscher Leser damit rechnen, dass Bücher, deren deutsche Urheberrechte nicht geklärt sind, einem auch in der US-Ausgabe nicht zugänglich sein werden. So konnte ich z.B. bisher das Buch „Superfreakonomics“ dort nicht finden, obwohl es im Angebot von Amazon ist. Aber ansonsten funktioniert der Kauf eines Buches reibungslos. In den meisten Fällen kann man sich auch probeweise ohne Kosten das erste Kapitel herunterladen. Im Gegensatz zur US-Version verfügt der nach Deutschland gelieferte Kindle nicht über die Webbrowserfunktion. Aber über http://www.amazon.com/manageyourkindle ist der eigene Kindle mit dem eigenen PC konfigurierbar, und man kann so auch direkt über das Web Bücher kaufen, die dann bei Gelegenheit auf den Kindle übertragen werden. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist im übrigen reichlich fix – das Amazon-Versprechen von max. 1 Minute Downloadzeit scheint mir nicht unrealistisch zu sein.

Amerikaner können den Kindle auch als Browser nutzen – Deutsche aber nicht, bis auf das englischsprachige Wikipediaangebot. Der Grund dürfte in der Art des Netzzugangs liegen: Nachdem Amazon sich nicht mit deutschen Mobilfunkprovidern einigen konnte, nutzt es für den Kindle ein Roaming über AT&T, und das würde wohl reichlich teuer, ließe man diese Konstellation auf das komplette Web los, wo eben nicht nur Texte übertragen werden.

Nett finde ich das mitgelieferte New Oxford American Dictionary, das sich auch einfach zum Nachschlagen von Begriffen verwenden lässt, die in anderen Texten auftauchen.

Und, gaaanz wichtig: Es gibt viele Texte, die ohne Urheberrechtsbeschränkungen verteilt werden können. Einige davon sind auch in deutscher Sprache im Kindle-Format z.B. unter http://manybooks.net/language.php?code=de erreichbar.

Der Kindle versteht von Haus aus im Grunde nur das eigene .azw-Format sowie urheberrechtsfreies Mobipocket. Man kann aber z.B. HTML- und PDF-Texte per E-Mail an Amazon schicken, um sie ins .azw-Format umgewandelt entweder auf dem PC (kostenlos) oder dem Kindle direkt (gegen „geringes“ Entgelt) wieder zur Verfügung gestellt zu bekommen. Vom PC lässt sich über den beigelegten USB-Anschluss alles an den Kindle übertragen.

Über den Kindle kann man zwei deutsche Tageszeitungen abonnieren: die FAZ und das Handelsblatt. Da ich langjähriger FAZ-Abonnent war, nahm ich das Kindle-typische Angebot wahr, die Zeitung 14 Tage lang zu beziehen. Obwohl für die internationale Version des Kindle beim FAZ-Abo wohl 10 USD mehr fällig werden, ist das zum aktuellen Dollarpreis noch ein Schnäppchen. Bei den Artikeln fehlen Schaubilder, Tabellen und Autorennamen, ansonsten ist das Angebot komplett. Und ich muss kein Papier durch die Gegend schleppen. Mal sehen.

Fazit: Wer auf aktuelle englischsprachige Werke und auf deutsche Klassiker steht, für den ist der Kindle einen Blick wert. Wer deutsche Bestseller will, sollte sich um ein Gerät bemühen, welches das Format .epub lesen kann.

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Smooth Jazz Festival Munich

Verfasst von unfrisiertes am September 8, 2009

(Es ist kein Zufall, dass hier fast nur noch was über Musik steht – neben dem Job komme ich nur noch alle Nase lang zum Politbloggen, und der Rest meines Lebens ist mit sehr privaten Dingen vollgestopft; Musik hören und zu Konzerten gehen passt aber noch rein und wird eben auch mit anderen geteilt…)

Also, ich habe mein letztes Wochenende in München verbracht. Anlass war das Smooth Jazz Festival, das zweite seiner Art in deutschsprachigen Ländern. Nun bin ich zwar ein großer Fan von Jazz, der mich bei meinen Hörgewohnheiten abholt und mich nicht dazu zwingt, schwarze Rollkragenpullover und Vollbart zu tragen, während ich an meiner Pfeife saugend ein nachdenklich-wissendes Gesicht mache. Aber zu seicht darf es mir dann doch nicht sein, und bei Smooth Jazz ist die Gefahr in dieser Richtung leider nicht klein. Zuckersüße Melodien über programmierten Beats, das ist nicht so mein Ding. auch wenn es „jazzy“ wirkt. Da bin ich durch Spyro Gyra verdorben: Die erlauben zwar auch einen leichten Zugang, hinter der zunächst glatt erscheinenden Oberfläche sind aber eine große Virtuosität und ein komplexes Arrangement verborgen.

Daher fuhr ich mit gemischten Gefühlen nach München. Zwei Namen der dort auftretenden Künstler waren mir bekannt: Rick Braun (wegen seines einigermaßen bekannten Albums mit Boney James) und natürlich Dave Koz. Vom Rest wusste ich nichts. Nach diesem Wochenende kann ich aber sagen: Es hat sich gelohnt. Nun ist Jazz schon sowieso eine Musik, die eigentlich erst live richtig zur Geltung kommt. Für Smooth Jazz aber trifft das noch mehr zu, jedenfalls aus meiner Sicht. Da ist kein Studio und kein Drumcomputer, sondern eine (übrigens grandiose!) Begleitband, da ist ein Publikum mit seinen Reaktionen, und da sind die anderen Festivalmusiker, die sich mit den gerade Auftretenden hin und wieder zusammen tun und eine neue Farbe ins bekannte Stück bringen. Legen die Smooth-Jazz-Musiker bei ihren CDs eher Wert auf Radiokompatibilität, können sie sich auf Konzerten ausgedehnte Soli und Spielereien mit Publikum und Kollegen leisten. Die großen Namen der Szene, die da in München auftraten (dass ich nur zwei davon kannte, zeugt von meiner Unkenntnis), ließen sich auch nicht lumpen und servierten ihre besten Hits. Da es sich um echte und gelernte Amerikaner handelte, fehlte es auch nicht an Showmanship. Kurzum: Man wurde bestens unterhalten und hatte viel Spaß.

Ein paar Plätze von mir entfernt saß ein wild fotografierender Schweizer, der mir alle Amis anzulabern schien, die nicht bei drei auf den Bäumen waren. Mittlerweile weiß ich, dass es sich da um den Peter Böhi handelte, dessen Verdienste um die Verbreitung von Smooth Jazz in Europa gar nicht überbewertet werden können. Unter anderem betreibt er das Internet-Radio SwissGroove. Dieser Peter Böhi hat auf SmoothVibes einen Bericht zum Festival geschrieben, der den Nagel auf den Kopf trifft. Fotos sind auch jede Menge dabei ;-)

Auf Youtube finden sich auch einige Videos von leider eher schlechter Qualität. Ein paar der besseren seien hier präsentiert, bevor ich zu meinen ganz individuellen Notizen komme…

Dave Koz (charming boy, der ;-) ):

Michael Lington (smooth, nicht wahr?):

Rick Braun & Richard Elliot (gar nicht so smooth…)

Steve Oliver & Michael Lington (bringen einen Klassiker):

Unfrisierte persönliche Notizen:

  • Richard Elliot ist relativ klein gewachsen und wurde beim Spielen immer noch kleiner, so dass meine Liebste nicht von der Idee abzubringen war, es müsse sich hier um einen Italiener handeln (Elliot ist gebürtiger Schotte).
  • Neben uns saß ein amerikanisches Männer-Pärchen, das der Show vom Samstag abend so absolut teilnahmslos zusah, dass ein vorbeikommender Arzt vielleicht Gesichtslähmung diagnostiziert hätte. Die einzigen Bewegungen der beiden mittelalten Herren bestanden im Blick auf die Uhr und den halbstündlich wiederholten Gängen zum Bierholen und -wegbringen (bei der Gelegenheit: Wer die 0,3-l-Weißbiergläser erfunden hat, verdient lebenslanges Deutschlandverbot). Meine Vermutung war, dass es sich hier um Schwule handelte, die nur wegen Dave Koz gekommen waren, der sich 2004 öffentlich outete. Ich könnte das jedenfalls nachvollziehen: Der Typ ist etwas mehr als eine Woche älter als ich, sieht aber wesentlich besser aus. Nur etwas klein isser… Und tatsächlich ließ sich das Pärchen bei Koz’ Auftritt zu einem Verziehen der Mundwinkel und ein paar Klatschbewegungen hinreißen. Weiß jetzt nicht, ob das meine These bestätigt.
  • Club des Belugas war irgendwie ein Missverständnis. Nicht, dass die schlechte Musik gemacht hätten, im Gegenteil. Aber es sprang kein Funke über. Die beiden Sängerinnen (gute Stimmen übrigens!) hatten bei meiner Liebsten und mir die Spitznamen „Nilpferd“ und „Huschtuss“ sicher, was einerseits von unserer hoffnungslosen sexistischen Intoleranz, andererseits aber auch vom Charakter des Auftritts zeugt.
  • Michael Lington labert etwas zu viel.
  • Die meisten Künstler machten mir den Eindruck, extrem unterfordert zu sein. Auf die fantastische Begleitband, das „Heavy Mellow Quartet“, traf das sicher auch künstlerisch zu, keinesfalls aber konditionell: Die haben so um die zwei mal vier Stunden auf der Bühne gestanden und mussten sich auf unterschiedlichste Besetzungen einstellen.
  • Ich mag es, wenn Künstler wie beiläufig ihre Professionalität unter Beweis stellen. Das betrifft die „Heavy Mellow“-Quartettler, aber auch die unterschiedlichen Konstellationen der Solomusiker, die nur ein paar Fingerzeige untereinander brauchen, um eine mitreißende Show zu erzeugen.
  • Die „Stars“ zeigten sich ganz normal im „offiziellen“ Hotel des Festivals am Frühstücksbuffet. Ich empfand es als angenehm, dass sie da nicht von jedem angelabert wurden.
  • Das hatten sie verdient, so sympathisch, wie sie alle auch auftraten, on stage und off stage.
  • Das Ganze wurde im wesentlichen von einem Mann organisiert: Christian Bößner. Ich kenne den nicht persönlich, aber er fiel mir gleich am ersten Tag als derjenige auf, der die Fäden in der Hand hielt. Was der und sein Team an dem Wochenende geleistet haben, nötigt den allergrößten Respekt ab.
  • A propos: Der Ansager versuchte es mit einer amerikanischen Wortwahl. Aber „fantastisch“, „sensationell“, „super“ und „einmalig“ klingt auf Deutsch nur extrem bemüht.

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Computerliebe

Verfasst von unfrisiertes am August 6, 2009

Durch Zufall und, wie das im Web nun einmal so ist, ein, zwei Klicks links und rechts, bin ich auf dieses großartige Video gestoßen, das den Kraftwerk-Song „Computerliebe“ mit einer kleinen Geschichte der Computer hinterlegt:

Wenn ich sehe, was ich davon noch live erlebt habe, komme ich mir richtig alt vor…

Und das hier ist übrigens meine Lieblingsinterpretation des Stücks (Youtube, aber kein bewegtes Bild):

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ZZ Top in Schwäbisch Gmünd

Verfasst von unfrisiertes am Juni 7, 2009

Es gab ein paar Gründe, sich am Samstag, dem 6. Juni 2009 nicht auf den Schießtalplatz in Schwäbisch Gmünd zu begeben.

An erster Stelle ist da das Wetter zu nennen, das für den Abend Regengüsse versprach und hielt. Und dann genießt auch nicht jeder die unmittelbare Nachbarschaft einer Justizvollzugsanstalt. Letztlich kam man dann sogar für eine Band, die gruß- und zugabelos die Bühne verließ. Klingt nach Reinfall, und wäre es auch, wenn es sich bei der Band nicht um ZZ Top gehandelt hätte.

Die Herren sind knapp unter den Sechzigern, aber unter ihren Sonnenbrillen und Bärten merkt man zumindest den beiden Fronstsäuen Gibbons und Hill nichts davon an. Und der vergleichsweise unbärtige Herr Bart am Schlagzeug zeigte auch keine Ermüdungserscheinungen.

Es gab Vorgruppen, was leider von der Genfer Konvention noch nicht erfasst wird. Bei der einen handelte es sich um eine Punkrock-Band à la Ärzte, die mit ihrem Angebot den vertretenen Altersschnitt der angeblich 6.000 um mindestens 20 Jahre verfehlte. Aber die Jungs von „Lotus Theorie“ haben ihr Bestes gegeben und kamen sympathisch rüberm also was will man mehr. Als nächster kam ein Lokal-Rocknroller namens Siggi Schwarz, der mit seinem Basser nicht nur eine veritable Bluesröhre zu seiner Band zählen konnte, sondern zugleich auch noch von der Präsenz eines Pete Haycock von der Climax Blues Band profiitierte. Jedenfalls stieg die Stimmung des Publikums beträchtlich während der „guitar battles“ der beiden Protagonisten Pete und Siggi.

Und dann kamen sie. Unverwechselbar. Cool. Locker. Mit ihrem genialen Südstaaten-Groove. Vom Publikum am meisten goutiert wurden – fast muss ich „natürlich“ sagen – die Hits der 80er wie „Gimme All Your Lovin“, „Legs“ oder „Sharp Dressed Man“. Man vergaß geradezu, dass die drei Herren im Schnitt sechzig Jahre alt sind. Ok, dass gerade vor mir nicht gerade Kleingewachsenem ein penetrant fotografierender Riese sein Unwesen trieb, ist nur meine individuelle Leidensgeschichte…

Aber ich war eh komplett nass und konnte den Abend mehr als alle anderen genießen.

P.S.: Im Norden ging es vorher so ab

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Fitness-Songs

Verfasst von unfrisiertes am Mai 28, 2009

Wenn das Fernsehprogramm im Fitness-Studio mal wieder unter aller Sau ist, was fördert dann die Aktivität?

Nun, für alle, die etwas schneller treten möchten, hätte ich da einen Tipp: ZZ Top. „Rancho Texicano“ liefert alles, was man braucht, um so richtig drauf los zu treten.

Und wer wie ich höhere Widerstände bei niedrigeren Schrittfrequenzen benötigt: Da geht nix über Denny Jiosas „Cool Shoes“…

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Erfahrungen mit Kubuntu 9.04

Verfasst von unfrisiertes am Mai 16, 2009

Linux zu installieren oder eine Linux-Distribution zu aktualisieren, ist immer ein Abenteuer.

Ich bin jetzt von 8.04 (Hardy Heron) zu 9.04 (Version: Kubuntu) gewechselt, und habe mir dabei einen neuen Rechner gegönnt.

Überraschend war, wie einfach das Plasma-Applet eine WLAN-Internetverbindung mit meinem USB-Stick zustande brachte. Dabei hatte sich die WLAN-Verbindung bislang immer als das Hauptproblem herausgestellt.

Aber ein Problem nervt immer noch: Sobald einmal Amarok2, der normale Player für MP3 und Internetstreams, gestartet wurde, werden Videos nur noch ohne Ton abgespielt. Strange.

Ansonsten funzt alles bestens. Dennoch bleibe ich enttäuscht: Wer auch immer mit Linux anfangen will, sollte a) viel Zeit und b) eine funktionierende Installation eines anderen Betriebssystems mitbringen…

Update: Mein Billig-WLAN-Stick hat die Arbeit wohl eingestellt. Aber Überraschung: Einfach einen anderen Stick, der bei mir noch herumlag, herangezogen und es klappte sofort und automatisch. Und das unter 64 bit.

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Hugh Masekela in Karlsruhe

Verfasst von unfrisiertes am Mai 16, 2009

Hugh Masekela? Nie gehört.

Doch, bestimmt. Wenigstens „Grazing In The Grass“ kennt jeder.

Aber die Geschichte hinter dem Mann ist eine viel buntere, die er in seiner Autobiographie „Still Grazing“ schildert und die in Wikipedia knapp umrissen wird. Hier nur soviel: Masekela ist – wie auch Abdullah Ibrahim, der mich in Frankfurts Alter Oper fasziniert hat – einer der Pioniere des schwarzen südafrikanischen Jazz. Und auch er musste 1961 ins Exil gehen. Zwischendurch war er sogar mit der berühmten Sängerin Miriam Makeba verheiratet. Als Masekela sich in der amerikanischen Jazz-Szene umtat, begegnete er auch Miles Davis. Und dieser, man kann es sich als Bewunderer von Davis in der Art und Weise ausmalen, gab ihm den entscheidenden Wink:

„If you are going to play jazz, you are just going to be one of us. But you got shit, that we don’t have.“

Das Ergebnis lautete also „Play your own shit!“. Und wie immer hatte Miles Davis recht. Seitdem gilt Masekela als *der* Vertreter des Musikstils Mbaqanga, der Zulu-Traditionen mit Soul-, Jazz- und Pop-Einflüssen verbindet.

Inwzischen lebt Masekela natürlich wieder in Südafrika. Aber er hat seinen politischen Geist nicht verloren und erinnert auf seinen Konzerten weiterhin an alle Menschen, die von Krieg und Verfolgung heimgesucht sind. Auch die Texte seiner Stücke, die man als Mitteleuropäer leider nicht alle versteht, beschäftigen sich oft mit politischen oder sozialen Problemen. Was aber wieder typisch für Afrika und damit auch für Masekela ist: Das politische und soziale Engagement widerspricht nicht dem Anspruch, über anderthalb Stunden eine Atmosphäre voller positivem Lebensgefühl zu schaffen.

Das Tollhaus in Karlsruhe war sichtlich stolz, die 70jährige Legende in seinen Räumlichkeiten begrüßen zu dürfen. Das Publikum war gemischt, aber sehr viele, die ihr dreißigstes Lebensjahr noch nicht erreicht hatten, gab es nicht. Mich hatte, obwohl ich vor dem Konzert von Masekela nichts kannte (ich wusste auch nicht, von wem „Grazing In The Grass“ war), wegen der Beschreibung seiner Musik gewundert, warum der Saal bestuhlt war, und ich muss sagen, das Tollhaus hätte keine schlechtere Entscheidung treffen können. Wer angesichts des fortgeschrittenen Alters des Bandleaders mit einem geruhsamen Abend gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Masekela kann nicht anders, er muss zu seiner Musik tanzen, und wer bei konstant groovenden afrikanischen Rhythmen auf seinem Stuhl sitzen bleiben will, wie die guterzogenen Deutschen in Karlsruhe, hat eine sehr harte Zeit. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass er von einer Band junger afrikanischer Musiker begleitet wurde.

Es war jedenfalls ein rundum gelungener Abend. Africa meets Jazz, das ist für mich das Höchste überhaupt, da wächst sehr offensichtlich zusammen, was zusammen gehört. Dazu kamen noch die sehr persönlichen Ansagen von Hugh Masekela, insbesondere seine Schnurre von seiner Herkunft aus Stuttgart (!, das in Karlsruhe!), mit der er auf spielerische Weise Klischees erledigte. Zwischendurch instruierte er das Publikum, wie am besten mitzusingen sei, und wir ließen uns nicht lange bitten. Jedenfalls können wir jetzt auch singen, wie man in Soweto „Achtung, Polizei!“ ruft… Zum Schluss war es soweit: Auf Masekelas Kommanda, wie sich das für Deutsche gehört, sprangen alle auf und tanzten zur Musik, sofern sie sich nicht zu cool dafür vorkamen (Vorrecht der Jugend).

Leider gab es nur eine Zugabe, aber ich kann nicht behaupten, zu kurz gekommen zu sein.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Begegnung mit Hugh Masekela zu einem meiner beeindruckendsten Erlebnisse zähle. Er hat meinem Leben etwas hinzugefügt, das ich nicht genau beschreiben kann, das mich aber auch nicht los lässt.

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Geschüttelt, nicht gerührt (Spyro Gyra Reprise, Teil 2)

Verfasst von unfrisiertes am Oktober 24, 2008

Spyro Gyra hat zwei ausgesprochene Rampensäue: Jay Beckenstein, den Chef, und Julio Fernandez, den man nur unter Drohung unmittelbaren Zwangs von Soli abhalten kann. Ist es ein Zufall, dass ich gerade von diesen beiden ein Autogramm mein eigen nenne? (Eher ja, denn Jays konnte man sich im Rahmen einer Sonderaktion der Website bestellen, und Julio stand mal zufällig neben mir, so wie ich der Vorgruppe von Spyro Gyra lauschend…).

Natürlich bekommen bei Konzerten auch die anderen drei ihre Soli, aber es sind Ausnahmen. Insbesondere als Drummer ist man bei Spryo Gyra irgendwie eine arme Sau, die immer im Hintergrund bleibt. Dieses Schicksal widerfuhr jedenfalls meist dem großartigen Joel Rosenblatt. Dessen Nachfolger Bonny B. ist ja eher ein extrovertierter Typ, und das tut der Band jetzt mal ganz gut.

Mein Idol ist Tom Schuman – was der Typ live hinzaubert, ersetzt ganze Horden von Bläsern, Steel Drummern oder Streichern, und nebenbei agiert er wie selbstverständlich perfekt an den Keyboards.

Aber auch Scott Ambush ist jemand, dessen Können viel zu wenig im Rampenlicht steht. Manchmal merkt man es erst beim dritten oder vierten Hinhören, was der für Bassläufe raushaut, und seine Soli sind eine Urgewalt.

Um so schöner fand ich die Idee, während eines Tournee-Zyklus eine Version des „Shaker Songs“ ins Programm zu nehmen, bei der die beiden Rampensäue gar nicht erst auf der Bühne stehen, und die anderen drei, also Joel, Tom und Scott, die Sache in beide Hände nehmen.

Zur Erinnerung: Der „Shaker Song“ war der erste Radiohit der Band, und er hörte sich ungefähr so an, wie man auf diesem Video mit der bewundernswert miesen Tonqualität erahnen kann:

Und das hier ist die Alternativversion mit den drei eben Genannten – es lohnt sich, bis zum Schluss dabei zu bleiben. Sowieso, denn die drei Jungs nehmen einen auf einen kleinen Trip mit. Und ganz am Ende wird man dann – natürlich – auch mit einer Variante von „Shave and a haircut, two bits“ belohnt…

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Wochenende! (Spyro Gyra Reprise, Teil 1)

Verfasst von unfrisiertes am Oktober 2, 2008

Mein Interesse für Jazz begann mit dem Hören einer bestimmten CD vor 20 Jahren. Es handelte sich um „Rites of Summer“ von Spryo Gyra. Spyro Gyra ist eine Band, die Anspruch mit Hörbarkeit verbindet, und das stellte sich als der ideale Einstieg für mich heraus.

Anlässlich des runden Jubiläums beginne ich jetzt mal so für mich mit einer kleinen Spyro-Gyra-Reihe. Den Anfang macht für heute „Funkyard Dog“ aus dem letzten Album „Good To Go-Go“, und zwar live gespielt (Schmankerl: Jay Beckenstein spielt zwei Saxophone gleichzeitig).

Wie ich auch sagen muss, dass meine Begeisterung für Spryo Gyra vielleicht nicht lange angehalten hätte, wenn ich die Band nicht ein Jahr später in Hamburg hätte im Konzert erleben dürfen. Denn auf der Bühne passiert da pro Stück weit mehr, als man es der Konsumierbarkeit wegen wagt, auf Tonträgern zu veröffentlichen. Schließlich wollen die Jungs auch leben, und die entsprechenden Radio-Stationen in den USA brauchen da Passendes. Mehr dazu später.

Der Clip zeigt sehr deutlich, dass es sich bei den langjährigen Mitgliedern Jay Beckenstein (sax) und Julio Fernandez (git) um ebensolche handelt (außerdem noch Tom Schuman (key) – Scott Ambush (bas) und Bonny B. (dru) kamen erst später hinzu), aber was soll ich in meinem Alter noch Boygroups hören… Und außerdem haben die beiden „Oldies“ mehr Funk in den Knien als mancher Jungspund von heute…

Erstmal viel Spaß im kommenden, „langen“ Wochenende!

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